Interview mit Knud Tiroch zum Fortschritt des Würth Rod

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Interview mit Knud Tiroch zum Fortschritt des Würth Rod
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Würth PR-Lady Gerti Wais hat Knud Tiroch zum Gespräch gebeten und ihm heiße Details zum Würth Rod entlocken können.

Seit unserem ersten Besuch bei dir sind genau 2 Monate vergangen, was hat sich in der Zwischenzeit getan?

Wir haben das Konzept rund um den Würth Rod weiterentwickelt. Es gibt viele Dinge, die man im Vorfeld planen muss, damit man sofort zu arbeiten beginnen kann, wenn die Teile geliefert werden. Welche Farbkombinationen zieht man wirklich durch? Schwarz, Rot, ein Goldton und Chrom.

Chrom aber nicht hoch-shining, sondern polierter Chrom, wie Aluminium. Es gibt Chrom, der sehr chromig ist, das ist aber schon fast zu kitschig. 2 bis 3 Teile sind ok, aber zu viel würde nicht zum Thema passen. Wenn Aluminium glänzt, weil es poliert worden ist, ist es eine logische Geschichte. Wenn ich es verchromen würde, würde ein Techniker sagen, dass es deswegen nicht mehr Funktion hat.

Erste InstrumenteErste Instrumente

Wir haben also die Hauptfarben definiert und die ersten Zeichnungen der Instrumente gemacht. Die Instrumente sind ein Highlight, sie sind wie Räder auf einem Auto. Baue schöne Instrumente in einem Innenraum ein und der ganze Innenraum ist gestylt. Die rote Speiche beim Rad ist definiert, die Goldline, die immer dabei ist, eine Zentralnabe poliert mit Goldelementen (Messing), die Armatur ist rot mit gebrochenem Weiß.

Knud Tiroch und Wolfgang HießErste InstrumenteSehr viele Teile wurden bestellt – die Main-Basis, die Rahmenteile sind da. Die kleinen Teile können erst bestellt werden, wenn die Farben definiert sind. Die Ventildeckel gibt es zum Beispiel in geriffelt oder glatt. Wir haben geriffelt bestellt, die Riffel können wir wieder rot rauslackieren, die Schrauben sind Messing. Wir haben mit der Karosserie begonnen – wenn du etwas machst, wo alles dabei ist Spirit, Geschichte, Herz, Seele – dann musst du das Wirkliche nehmen. Da wir die 1920er und 30er Jahre gewählt haben, haben wir letztendlich eine 1929er Karosserie gefunden. Wenn jemand bei so einer Karosserie nicht aufgepasst hat, ist sie irgendwann in einem Zustand, wo man sich entscheiden muss, ob man sie noch retten möchte und kann, oder ob man sie wegschmeißt. Wir haben uns für Retten entschieden, aber eine sehr schlechte Basis bekommen. Die Karosserie war angerostet, aber nicht durchgerostet. Die einzelnen Teile wurden heruntergenommen und neu ausgerichtet.

Rahmen und TeileRahmen und TeileWo wurde die Karosserie gefunden?

Die Karosserie wurde im amerikanischen Middle-West gefunden, in Nebraska, dort wo es ewige Korn und Getreidefelder gibt, wo du 3 oder 4 Stunden fahren kannst und nichts anders siehst als Felder. Dazwischen gibt es nur ein paar Farmen und auf einer dieser Farmen haben wir die Karosserie gefunden – nach vielen Verhandlungen haben wir sie auch bekommen.

Was wird als nächstes passieren?

Der nächst Schritt wird sein, die Karosserie auf der Hebebühne zu platzieren, dann müssen wir auf den Rahmen warten. Teile des Rahmens müssen dann geschweißt werden, wenn der Rahmen fertig ist, wird die Technik eingebaut. Die Karosserie wird dann daraufgesetzt, und zwar so, dass sie soweit zurückgerückt wird, dass das Getriebe mit dem Motorblock eine leichte Distanz zur Feuerwand bekommt –  das muss genau positioniert werden.

Werden auch zeitgenössischen Würth Produkte im Würth Rod zum Einsatz kommen oder ist alles Retro in dem Auto?

Wir beschränken uns bei dem Retrolook wirklich nur auf die Karosserie und auf die Optik, dazwischen gibt es immer wieder Hightech-Sachen. Wir müssen alles, was mit Anströmer, Benzin oder Vergasersystemen zu tun hat, alt aussehen lassen, aber neue Produkte einbauen, weil es aus Umweltgründen notwendig ist, schöner lauft, moderner und unkomplizierter ist. Natürlich gibt es dann eine Bremse, die außen alt aussieht, aber ein modernes Innenleben hat.

Bei den Vorderrädern wird es eine Abdeckung geben, die eine Gravierung im Retro Look hat, aber darunter ist eine Scheibenbremse. Wenn man draufschaut, wird man das Gefühl haben, es ist ein alter modifizierter Truck. Der Unterschied zwischen einem Originalfahrzeug und einem Hotrod ist der, dass der Hotrod so aussieht, wie ihn der Hersteller gerne gebaut hätte, sich aber nicht getraut hat. Oft haben ja auch Studien und die Autos, die später auf den Markt kommen, wenig gemeinsam.

Gibt es klassische Würth Produkte, von denen du jetzt schon weißt, dass sie zum Einsatz kommen?

Natürlich, es gibt jede Menge Dichtmaterial, Dämmmaterial für die Türen und Seitenteile, die die Karosserie ruhiger machen und die Vibrationen verringern und jede Menge Schrauben. Wir werden Gewinde auf metrische Gewinde umbauen, wo es möglich ist, bei den Originalteilen müssen wir die Zollgewinde verwenden. Wo es möglich ist, verwenden wir natürlich NIRO-Schrauben von Würth und auch verschiedene Arten von Beilagscheiben, denn ich bin ein Beilagscheibenfanatiker. Was mir sehr gut gefällt, ist, wenn eine Beilage abgestimmt ist auf den Schraubenkopf. Die richtige Beilagscheibe auf dem richtigen Schraubenkopf ist ein schöner technischer Teil. Die Krönung ist dann, wenn ich den Schraubenkopf mit dem Sechskant in eine Richtung ausrichte, was wir natürlich machen. Das kann keiner – wie das geht, verrate ich nicht, aber wir machen es.

Du schraubst also nicht nur, damit etwas zusammenhält?

Wenn ich als Schraube auf die Welt komme, dann ist es mein Job, dass ich halte. Aber das allein ist mir zu wenig, ich möchte, dass die Schraube auch gut dabei aussieht. Das ganze muss als Gesamtes ein Kunstwerk werden, das Wichtigste ist Harmonie. Der technische und optische Teil müssen harmonieren. Es darf keine Betrachtungsweise geben, die mir nicht gefällt. Man kann wahrscheinlich nichts Vollkommenes bauen, aber wenn ich das Konzept im Kopf habe, weiß ich, wie es perfekt aussehen wird. Am Würth Rod wird es nichts mehr zu verbessern geben, wenn er fertig ist.

Gibt es eine rituelle Handlung, mit der das Auto für dich fertiggestellt ist?

Es gibt immer eine „letzte Handlung“ – und ihr werdet dann dabei sein.

Danke für das Gespräch!

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