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Am Würth Österreich Unternehmensstandort in Böheimkirchen (NÖ) wurde 2025 eine moderne Geothermie-Anlage errichtet, die für das Heizen und Kühlen der Würth Verwaltungs- und Logistikgebäude sorgt. Der Firmenstandort ist somit weitgehend unabhängig vom bisherigen Heizmedium Gas. Mit dieser Baureportage geben wir Einblick in die Planung und Umsetzung des Projekts.
Energie aus der Tiefe: So funktioniert Geothermie
Das Wort setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: „gé“ bedeutet Erde oder Land, „thermós“ warm oder heiß. Geothermie heißt also „Erdwärme“.
Im weit gefassten Sinn ist damit die in unserem Planeten gespeicherte bzw. von ihm erzeugte Wärmeenergie gemeint. Im engeren Sinn bezeichnet Geothermie die im zugänglichen Teil der Erdkruste gespeicherte Wärmeenergie und ihre anwendungstechnische Gewinnung bzw. Nutzbarmachung (z.B. für Heizzwecke oder zur Stromerzeugung). Die oberflächennahe Geothermie reicht bis circa 400 Meter tief. Sie wird über Rohre erschlossen, die über eine Flüssigkeit der Umgebung die Wärme entziehen und nach oben transportieren. Die Flüssigkeit zirkuliert hierbei in einem geschlossenen System. In der Regel erfolgt die Nutzung über eine Wärmepumpe, die der Trägerflüssigkeit die Wärme entzieht und diese in das Heiz- und Warmwassersystem von Häusern bzw. in Wärmenetze verteilt.
Geothermie-Systeme machen die Verbrennung fossiler Brennstoffe vor Ort überflüssig und senken den Bedarf an Stromerzeugung drastisch. Dadurch werden der Ausstoß von Treibhausgasen und die mit der Gewinnung nicht erneuerbarer Ressourcen verbundenen Umweltschäden deutlich reduziert.
Planungs- und Bauphase
Zu Beginn der Projektplanung 2023 wurde ein Thermal Response Test durchgeführt, um die Energiepotenziale des Bodens in der Zentrale in Böheimkirchen exakt zu bestimmen. Anfang 2025 fiel der Startschuss für die Bauarbeiten. Da auf dem Gelände der Geothermie-Anlage in weiterer Folge ein weiteres Logistik-Gebäude errichtet werden soll, mussten zuerst rund 12.000 Kubikmeter Erde abgetragen werden, um das Niveau entsprechend auszugleichen. Danach wurden 188 Geothermie-Sonden in 130 Metern Tiefe im Raster von sieben mal sieben Metern gesetzt.

Key Facts:
- 12.000 Kubikmeter Erde abgetragen
- 188 Bohrungen
- in 130 Meter Tiefe
- im Raster von 7 mal 7 Meter
- Einsparung von 300 Tonnen CO2/Jahr
- Gesamtinvestition von 5,9 Millionen Euro
Seit Herbst 2025 nutzt die Anlage die im Erdreich gespeicherte Wärmeenergie. Über ein geschlossenes Rohrsystem wird dem Boden Wärme entzogen und mittels Wärmepumpen für Heiz- und Kühlsysteme nutzbar gemacht.
Die durch das Hochwasser 2024 beschädigte Haustechnik wurde durch eine dreigeschossige Energiezentrale ersetzt, die Trafostationen, Pufferspeicher für Warm- und Kaltwasser, drei Wärmepumpen sowie die gesamte Stromverteilung inklusive Notstromversorgung beherbergt.





Grüne Infrastruktur mit strategischem Mehrwert
„Geothermie ist eine nachhaltige und erneuerbare Energiequelle, die bislang noch wenig genutzt wird. Mit der Anlage in Böheimkirchen zeigen wir, wie sich ökologische Verantwortung und strategische Standortentwicklung erfolgreich vereinen lassen“, betont Bernd Kubinger, Leiter Qualitäts- und Facilitymanagement, der das Projekt von der Idee bis zur Umsetzung begleitet hat. Die Gesamtinvestition belief sich auf rund 5,9 Millionen Euro, wovon etwa 500.000 Euro durch Fördermittel gedeckt wurden.
An umweltschonenden, nachhaltigen Energielösungen arbeitet man schon lange: Ob PV-Anlagen in der Zentrale und den Shops oder der Umstieg auf Grünstrom – wirtschaftliche Aspekte und ökologische Anforderungen zu vereinen, stellt das Unternehmen aber immer wieder vor Herausforderungen, wenn es darum geht, sinnvolle Lösungen zu finden.
Ganzheitlicher Ansatz für Dekarbonisierung
Mit der Inbetriebnahme der Geothermie-Anlage setzt Würth Österreich nicht nur ein konkretes Zeichen für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern, sondern etabliert sich als Vorreiter in der nachhaltigen Standortentwicklung.


Die Umsetzung des Projekts ist ein weiterer Baustein im strategisch verankerten Reduktionsplan zur Minimierung der standortbezogenen Treibhausgase. Zahlreiche weitere Maßnahmen wurden in der Vergangenheit bereits initiiert: Photovoltaikanlagen in der Zentrale und an einigen Shop-Standorten, die Umstellung auf Grünstrom in der Zentrale sowie in allen Würth Shops (derzeit über 80 Standorte) und der kontinuierliche Ausbau der E-Mobilität. Bereits heute liegt der Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge im rund 550 PKW umfassenden Fuhrpark bei 50 Prozent.
Ziel ist es, die direkten Emissionen sowie die indirekten Emissionen aus dem Energiebezug bis zum Jahr 2030 um über 90 Prozent im Vergleich zum Ausgangsjahr 2021 zu senken.
„Die Hochwasserkatastrophe im Herbst 2024 hat uns am Firmensitz in Böheimkirchen schwer getroffen. Dass Umweltereignisse wie dieses infolge der Klimaerwärmung enorme Schäden verursachen und somit ein hohes wirtschaftliches Risiko darstellen, haben wir hautnah erlebt und bestärkt uns in der Überzeugung, unsere Verantwortung wahrzunehmen,“ so Geschäftsführer Michael Hempt.

Schnittstelle nach innen: Wärmepumpen in der neuen Energiezentrale


Weiterführende Informationen
- Würth Website Nachhaltigkeit: www.wuerth.at/nachhaltigkeit
- Link zur EcoVadis Bewertung: Ecovadis Bronze Medal
- Artikel Logistikzubau: Größer und grüner: Würth Zentrale ist fit für die Zukunft – Würth Österreich
- Presseaussendung: „Zukunft gestalten und verantwortungsvoll wachsen: Würth Österreich schafft Basis für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg“