Notfallsituation Absturz: Ein Wettlauf gegen die Zeit!

0
628
Würth Fallschutz Traumaschlinge
5/5 - (2 votes)

Sei es bei Arbeiten auf Baugerüsten, Fassaden, Dächern, Windrädern, Freileitungen oder Masten: Wenn alle technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen plötzlich nicht mehr ausreichen, ist die Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) die wichtigste erste Hilfe. In dieser ersten Instanz sind es Gurtsysteme wie Auffanggurte oder andere Auffanggeräte, die vor schweren und lebensbedrohlichen Unfällen retten – doch dann beginnt die Uhr zu ticken!

Dauert die Rettung zu lange, kann nach einem Absturz mit Sicherheitsgurt ein Hängetrauma eintreten. Nicht selten werden diese Gefahr und die damit verursachte Todesfolge völlig unterschätzt.

Was ist an einem Hängetrauma so gefährlich?

Ein Hängetrauma ist ein lebensbedrohlicher Schockzustand. Verursacht durch langes und bewegungsloses Hängen im Sicherheitsgurt lastet das Eigengewicht auf den Beinen und auf dem Gesäß. Dadurch können sich die Venen so zusammendrücken, dass der Rückstrom des Blutes aus den Beinen behindert wird oder im schlimmsten Fall sogar verloren geht. Besonders weil der Widerstand unter den Füßen fehlt. Damit versagt die Funktion der sogenannten „Muskelpumpe“: Ein (Kreislauf)-Schock tritt ein!

In diesem Fall spricht man auch von einem orthostatischen Schock. Das heißt, lebenswichtige Organe werden nicht mehr ausreichend versorgt. Hinzukommt, dass Schmerzen an den Einschnürungen die Sache zusätzlich verschlimmern. Die Folgen können bereits nach kurzer Zeit Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislaufstillstand sein und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Versuche mit gesunden Personen haben gezeigt, dass die Symptome eines Hängetraumas bereits nach wenigen Minuten auftreten können – in der Regel sind es lediglich 20 wertvolle Minuten, die in solchen Situationen bleiben. Darum ist es so wichtig, die Rettung sofort einzuleiten, aber ebenso wichtig ist es: die Persönliche Schutzausrüstung zu optimieren!

Wie kann man sich vor einem Hängetrauma schützen?

Eine Trittschlinge oder besser gesagt eine Traumaschlinge ist die effektivste Möglichkeit, ein Hängetrauma zu verhindern – Sie kann Ihnen wertvolle Zeit verschaffen. Die Anti-Traumaschlinge wird seitlich am Auffanggurt befestigt und kann jederzeit „nachgerüstet“ werden. Wichtig dabei ist, dass die Schlaufen individuell auf die Beinlänge der Person eingestellt wird, bevor es zur Verwendung am Dach oder erhöhten Arbeitsplätzen kommt. 

Damit kann die im Seil hängende Person ihre Füße in die Seilschlaufen stemmen, um die „Muskelpumpe“ zu betätigen bzw. diese in Gang zu halten. Zugleich werden die schmerzhaften Einschnürungen minimiert oder sogar komplett verhindert. Zusätzlich wird das Risiko eines Bergungstods (ein zu schnelles Zurückströmen des Blutes in den restlichen Körper) vermindert.

Die Traumaschlinge wird seitlich am Auffanggurt befestigt und kann jederzeit „nachgerüstet“ werden
Die Traumaschlinge wird seitlich am Auffanggurt befestigt und kann jederzeit „nachgerüstet“ werden

Die Vorteile der Traumaschlinge liegen auf der Hand:

  • Extrem effektiv, speziell entwickelt, um ein Hängetrauma zu lindern oder ganz zu verhindern
  • Mehr Zeit für die Rettung der verunfallten Person
  • Schafft die Möglichkeit, nach dem Absturz eine stehende Position einzunehmen
  • Kompakt und leicht
  • Lässt sich leicht am Auffanggurt anbringen und bei Bedarf auspacken
  • Die Traumaschlingen können – unabhängig von der Bauart – an allen Auffanggurten befestigt werden
  • Längenverstellbar von 45–126 cm
Traumaschlinge zur Minderung des Hängetraumas nach einem Absturz
Traumaschlinge zur Minderung des Hängetraumas nach einem Absturz

Was ist im Notfall zu tun?

Die Traumaschlinge wird paarweise ausgeliefert und ist links und rechts am Gurt befestigt. Im Vorfeld bedeutet dies: Die Anti-Hängetrauma-Schlinge erreichbar am Gurt zu montieren sowie die Länge auf die Körpergröße abzustimmen, sodass sich die Person durch Hineintreten in die Schlinge entlasten kann.

Im Notfall gehen Sie wie folgt vor:

  1. Ertasten Sie das Gehäuse, öffnen es und entfalten Sie die Schlingen-Bänder
  2. Nehmen Sie beiden Schlingen-Bänder in die Hand und lokalisieren Sie einerseits die Schlaufe und andererseits die Schnalle. Verbinden Sie die Schnalle mit der Schlaufe und führen Sie die Anti-Hängetrauma-Schlinge nach unten zu Ihren Beinen
  3. Treten Sie nun mit Ihren Füßen in die Schlinge und strecken Sie die Beine durch, um den Druck der Beinschlaufen auf die Oberschenkel zu vermindern. Sollte es notwendig sein, passen Sie die Schlingenlänge an, sodass Sie bequem stehen können.

ACHTUNG: Öffnen Sie auf keinen Fall die Verschlüsse Ihres Sicherheitsgurtes, während Sie die Anti-Traumaschlinge anwenden!

Anwendung Traumaschlinge im Notfall
Anwendung der Traumaschlinge in einem Notfall


Hinweis zur Überprüfung:

Während einer Überprüfung der gesamten PSAgA-Einheit ist auch die Anti-Hängetrauma-Schlinge zu kontrollieren.

Das bedeutet:

  • Prüfen Sie das Gehäuse auf Beschädigungen hin.
  • Kontrollieren Sie die Verbindung zum Gurt auf Verschleiß.
  • Untersuchen Sie Gurtband und Gehäuse: Das Material darf nicht ausgefranst, angebrochen oder verkratzt sein.
  • Identifizieren Sie mögliche Risse, Abriebstellen, Verfärbungen, Verbrennungen oder gar Verknotungen.
  • Überprüfen Sie, ob auf der einen Seite das Wort „Hook“ und auf der anderen Seite das Wort „Loop“ lesen.

Falls Sie auch nur einen Makel finden, ist die ganze Einheit der Anti-Hängetrauma-Schlinge sofort vom Gurt zu entfernen und zugleich zu vernichten!


Unser Fazit: Rüsten Sie sich: Rüsten Sie nach!

Der Gebrauch einer Traumaschlinge kann einer verunfallten Person die Möglichkeit zur eigenständigen Entlastung bieten und somit ein Hängetrauma vermeiden!

Das bedeutet, nach einem Sturz kann die verunfallte Person während der Hängephase bis zur Evakuierung in der Traumaschlinge stehen: Warten kann nämlich in diesen Situationen tödlich sein!

Checken Sie Ihre gesamte Persönliche Schutzausrüstung regelmäßig! Für diesen Zweck legen wir Ihnen auch nachfolgende Artikel ans Herz bzw. unsere laufenden Seminare zum Thema Fallschutz:

 5 Dinge, die Sie über die richtige Absturzsicherung wissen sollten

Wie Sie mit Persönlicher Schutzausrüstung Ihre Ausfallkosten minimieren

Basisseminar Fallschutz: Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz

bloggt über Produktneuheiten, Anwendungsbeispiele und Tipps & Tricks.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT