Der Mann im Eis: Würths einziger Außendienstmitarbeiter in Grönland

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Wenn Claus Hassing seine Kunden besucht, nimmt er öfter mal den Hundeschlitten. Als Würths einziger Außendienstmitarbeiter in Grönland arbeitet er manchmal bei bis zu minus 20 Grad. Das abenteuerliche Leben ist für ihn ein echter Traumjob, wie dieser Bericht zeigt.

Arbeiten inmitten von Schnee und Eis gehört für Claus zum Alltag.
Foto: Würth Archiv/Shutterstock

Würths einziger Mitarbeiter in Grönland

Er arbeitet bei minus 20 Grad, inmitten von Eis und Schnee. Shorts und Flip-Flops besitzt er keine, heiße Sommer vermisst er nicht. Seine Kundinnen und Kunden besucht Claus Hassing mit Boot und Flugzeug. Er ist Würths Außendienstmitarbeiter in Grönland, der einzige. Für ihn ein absoluter Traumjob.

Barfuß schaufelt Claus Hassing den Schnee vor seinem Holzhaus – sein allmorgendliches Frische-Ritual bei minus 20 Grad. Dann fährt er zwei Kisten Bremsenreiniger zum neuen Flughafen in Nuuk, damit die großen Maschinen, die das neue Terminal bauen, auch sauber laufen. Claus sagt: „Die Grönländer finden, Würths Produktvielfalt rockt.“

Claus Hassing ist der Mann im Eis, Würths einziger Außendienstmitarbeiter auf der größten Insel der Welt und Einwohner von Nuuk, der kleinsten Hauptstadt der Welt. Um seine 200 Kunden zu besuchen, nimmt Claus meist das Boot, den Flieger oder den Helikopter. Seine Arbeit macht er bei klirrender Kälte, nicht selten haben seine Tage mehr dunkle als helle Stunden. Einen echten Sommer mit Schweiß, Hitze und Sonnenbad gibt es hier nicht. Genauso wenig blitzschnelles Bestellen im Internet, sich vom Taxi kutschieren, sich Essen bringen lassen oder flugs Fast Food selbst holen. Für die einen mag es nach einem Leben voller Kämpfe und Extreme klingen, für den 59-jährigen Claus Hassing ist es das schönste und ehrlichste Leben überhaupt.

82 %

des Landes sind von Eis bedeckt – die weltweit zweitgrößte permanent vereiste Fläche nach dem antarktischen Eisschild.

25. MAI – 25. JULI

In dieser Zeit geht die Sonne niemals unter und scheint auch um Mitternacht.

57.000

Einwohner in 17 Städten – so wenige Menschen leben in Grönland. Nirgends sonst hat ein Mensch mehr Raum für sich allein.

Claus fährt jeden Tag so selbstverständlich Boot wie wir mit dem Rad. Foto: Würth Archiv

Kein Zweifel, für zartbesaitete, empfindsame Seelen ist Grönland nicht geeignet. Bevor der Däne mit seiner russischen Frau Elena und Tochter Irina ins Abenteuer Grönland startete, lebten sie sieben Jahre lang in Kuwait und im Irak, wo Claus, gelernter Kaufmann, die Lkw der Amerikaner reparierte. Dort hatten seine Sommer oft 50 Grad, seine Winter 20 Grad, und statt Schnee schaufelte Claus Wüstensand. „Egal wo man lebt, das Wichtigste gilt überall: das Glas halb voll sehen.“ Diese Haltung scheint zu funktionieren. Der Mann hat richtig gute Laune, ja, er strotzt vor Kraft und Energie.

ICH LEBE MEINEN TRAUMJOB IM TRAUMLAND,

sagt Claus. Tauschen würde er mit niemandem, um keinen Preis der Welt. Sein Vertriebsgebiet umfasst 2,16 Millionen Quadratkilometer und ist damit sechsmal größer als Deutschland. Straßen, Autobahnen oder Schienen, die Orte und Städte miteinander verbinden, gibt es nicht. Die Straßen enden am Stadtrand. „Übers Wasser oder durch die Luft zu den Kunden zu reisen, klappt aber auch nicht immer“, sagt Claus. Alles hängt ab vom Wetter – und von den Menschen. Mal sind es die Stürme, mal Frost und Fjorde, dann wieder Schneeberge und Eisfluten, die ihm einen Strich durch die Planung machen. „Die Natur siegt über alle Technik und jede künstliche Intelligenz“, sagt Claus. Und ab und zu haben seine Kunden schlicht Besseres zu tun als zu arbeiten. Besonders, wenn die Natur Einzigartiges, Unvergessliches, weil Atemberaubendes zu bieten hat.

Der Hundeschlitten ist ein ganz normales Kraftfahrzeug auf der Insel. Bloß zählen hier nicht die PS, sondern die HS – Hundestärke! Foto: Würth Archiv

ERST DER MORGEN ENTSCHEIDET ÜBER DEN TAG“, SAGT CLAUS. „WOCHENPLÄNE FUNKTIONIEREN HIER NICHT.

Das lernte er schon im Sommer 2019, damals noch in seiner dänischen Heimat Frederikshavn. Am Telefon hatte Claus einen vielversprechenden Neukunden mit Autovermietung in Nuuk, Grönlands Westen. „Hallo Jacob“, sagte Claus, „nach meinem Umzug in drei Wochen würde ich mal bei euch vorbeischauen und einige Produkte vorstellen, einverstanden?“ Darauf antwortete Jacob: „Guter Claus, eins musst du dir merken: Termine vereinbaren wir hier keine drei Wochen im Voraus. Weißt du denn nicht, was bis dahin alles passieren kann? Im Fjord könnten Wale auftauchen, in den Bergen Moschusochsen. Oder Hundeschlitten ziehen uns durch die Tundra – das ist es dann, was zählt. Das ist dann wichtig, nicht das Geschäftemachen.“ Drei Wochen später rief Claus Jacob erneut an und sagte: „Jetzt bin ich in der Nähe und könnte in drei Minuten bei dir sein. Passt dir das?“ – „Wunderbar“, sagte der. „Die Kaffeemaschine läuft bereits, komm zu mir rüber.“

Nuunu, 11, ist ein ausgezeichneter Hundeschlittenfahrer und Freund von Claus. Foto: Würth Archiv

Und weil die Grönländer eben Augenblicks-Menschen sind, die sich auf das konzentrieren, was gerade möglich und nötig ist, ist Claus 24/7 an 365 Tagen im Jahr für seine Kunden erreichbar. Die meisten Probleme löst er mit Eiskratzern für Autoscheiben, Windabdeckungen für Hochhäuser und Fugenmittel für undichte Fenster. Aber auch die Scheinwerfer für Lkw, Modell „heavy duty“ gleich „robust und strapazierfähig“, sind Bestseller.

Was Claus vermisst, sind Bäume, denn die gibt es in Grönland nicht. Sonst fehlt ihm nichts. Nicht eine selbstverständliche Bequemlichkeit der westlichen Welt, sagt er – weder Taxi-Dienste noch Online-Shopping oder Burger-Restaurants. „Würde hier keinem etwas nützen“, sagt er. Fürs Taxi fehlt das Straßennetz und der Speed, das Tempolimit, liegt in der Regel bei 30 km/h. Online-Händler bräuchten für die Zustellung etwa vier Wochen, eine gelieferte Pizza wäre bis zur Ablieferung kalt. Und Burger oder Pommes aus dem Schnellimbiss? „Kommen nicht in die Tüte.“ Selberkochen ist auf Grönland hygge, Essen beschaffen Ehrensache.

Ein phantastisches Phänomen: das Polarlicht. Mal wehen die Gardinen grün über dem Himmel, dann wieder gelb, rot oder blau.

Foto: Würth Archiv

CLAUS ANGELT SEINE FISCHE UND ERLEGT TIERE SELBST.

Heute bringt er Rotfisch auf die Teller, morgen Hirsch, am Wochenende Garnelen und Moschusochse. An Freizeit mit Yoga, Wellness oder Therapie hat er noch nie gedacht. Luft, Wasser und Schnee sind seine Stressblocker; Buchten und Berge seine Konzentrationstrainer. Und sein Antidepressivum ist das Reden mit Menschen. Anderen zuhören, sie verstehen, ihnen helfen – dafür steht Claus auf, dafür spricht er sechs Sprachen. Wäre er nicht Verkäufer für Würth, wäre er Verkäufer für Grönland, der Tourguide für die Traumreise.

Auf gerade einmal 100 Kilometern Straßennetz kann Claus in seinem Toyota Pick-up fahren. Foto: Würth Archiv

Dieser Beitrag erschien zuerst im Kaleidoskop, dem Online-Magazin der Würth-Gruppe.

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