Hochspannung in der Werkstatt: Wie alternative Antriebe die Werkstatt verändern

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Podiumsdiskussion Alternative Antriebe
Hochspannung in der Werkstatt: Wie alternative Antriebe die Werkstatt verändern
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Klimaschutz treibt Entwicklung alternativer Antriebe voran

Wie man weiß, schädigen Treibhausgase nachweislich das Klima. Um diese negative Entwicklung zu bremsen, wurden ambitionierte Klimaschutzziele definiert, die vorgeben, dass die Treibhausgase bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent reduziert werden sollen. Als Verursacher von Treibhausgasen werden die Energiegewinnung, Landwirtschaft, Industrie und Wohnen – und nicht zuletzt – das Transportwesen genannt. Um hier CO2-Emissionen zu reduzieren, bedarf es daher alternative Antriebe. Doch wie verändern diese neuen Technologien die Werkstatt?

Vom mechanischen zum elektrischen Arbeitsplatz: Die Herausforderungen für die Werkstatt

Ist eine Reparatur an unserem Auto erforderlich, sind wir es gewöhnt, eine Kfz-Werkstatt unseres Vertrauens aufzusuchen, die auch dringende Reparaturen prompt behebt. Doch worauf müssen Werkstattbetreiber gefasst sein, wenn nicht mehr nur Verbrennungsmotoren, sondern auch Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenautos gewartet und repariert werden müssen?

Diskussion über alternative Antriebe am Spielbergring
©Marco Dittrich/Wirtschaftsverlag

Darüber wurde kürzlich im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion diskutiert. Prof. Dr. Bernhard Geringer vom Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien hat wesentliche Auswirkungen zusammengefasst:

  • Spezialisierung:
    Abhängig vom Autovertragspartner müssen sich Werkstattbetreiber die Frage stellen, auf welche Antriebsform sie sich einstellen wollen: Elektro, Hybrid oder Brennstoffzellen-Auto
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  • Arbeiten „unter Strom“:
    Vermehrt werden die Arbeitsplätze in der Werkstatt zu Starkstromarbeitsplätzen bis 1.000 Volt. Daraus ergeben sich neue Anforderungen zur Gewährleistung der Mitarbeitersicherheit.
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  • Noch mehr Elektronik:
    Der Elektronikanteil im Fahrzeug steigt weiter. Auch hier ist es notwendig, Know-how aufzubauen.
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  • Konkrete Weiterbildung:
    Fachübergreifende Schulungen für bestehende Mitarbeiter werden notwendig sein, um auf die Entwicklungen am Markt vorbereitet zu sein.
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  • Neue Berufe entstehen:
    Neue fachübergreifende Lehrberufe werden entstehen. Durch die neuen Fahrzeugtechnologien und Antriebe sind maßgeschneiderte Lehrberufe notwendig. Jobprofile für Fachpersonal müssen jedoch erst entwickelt werden.
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  • Sicher arbeiten:
    Verstärkte Sicherheitsausbildung und Unfallvorsorge müssen gewährleisten, dass die Arbeitsplätze unter Hochspannung nicht zur Gefahr für Leib und Leben werden.

Jetzt vorbereiten!

Für ÖAMTC Cheftechniker Dr. Max Lang sind die Anforderungen an die Werkstätten und auch an den Pannendienst besonders interessant. Seiner Meinung nach hat sich bereits geändert, was in die Werkzeugkiste kommt. Der ÖAMTC arbeitet seit Jahren daran, die Betriebe mit Schulungen auf die neuen Anforderungen durch alternative Antriebe vorzubereiten. Der Vorteil ist, dass sich die Entwicklung über Jahre zieht und sich die Werkstätten ausreichend vorbereiten und umstellen können. Dennoch rät Lang den Werkstattleitern dazu, sich jetzt mit den Entwicklungen zu befassen und Maßnahmen zu setzen, um im Bedarfsfall gut gerüstet zu sein.

Alternative Antriebe: Bei MAN wurden Trainingsunterlagen für Hybridbusse entwickelt mit Hinweisen auf Gefahren.
Bei MAN wurden Trainingsunterlagen für Hybridbusse entwickelt mit Hinweisen auf Gefahren.

Nutzfahrzeuge unter Strom

Problematisch sieht Franz Weinberger von MAN die Situation der Nutzfahrzeug-Werkstätten hinsichtlich Mitarbeiterqualifikation. Nur Elektrofachkräfte dürfen elektrische Anlagen und Betriebsmittel Instand halten. Dazu gehören Elektromeister, Elektroingenieur und Elektrotechniker. Diese werden in Zukunft verstärkt in Werkstätten gebraucht werden.

Das sind die wichtigsten alternativen Antriebe

1. E-Auto: Stadtauto & Kurzstreckenfahrzeug

Ein Elektroauto mit Batterie kann bereits heute die Aufgaben eines Zweitwagens übernehmen: die Fahrtstrecke zur Arbeit und zurück, zum Einkaufen oder um die Kindern zur Schule bringen. Doch der Massenerfolg für den Stromer bleibt aus. Das liegt vor allem am Akku. Die Zellchemie muss optimiert werden, um eine höhere Energiedichte zu erreichen. Sonst ist die Batterie zu groß und zu schwer und damit das E-Auto in seiner Reichweite weiterhin eingeschränkt. Das gilt auch für Kurzstrecken-Lieferfahrzeuge, für die grundsätzlich ein Elektromotor denkbar wäre. Einen nicht unbedenklichen Einfluss auf die Reichweite nimmt auch die Umgebungstemperatur: je wärmer und je kälter es ist, umso geringer ist die Reichweite. Nichts desto trotz, das E-Auto ist in seiner Entwicklung anderen alternativen Antrieben voraus.

Das E-Auto überzeugt als Stadt- und Kurzstreckenfahrzeug. ©autobild.de
Das E-Auto überzeugt als Stadt- und Kurzstreckenfahrzeug. ©autobild.de

2. Hybrid hat Potential – auch für Langstrecken

Ein Hybridsystem, wie es Toyota auf den Markt gebracht hat, kombiniert zwei verschiedene Antriebsquellen, zum Beispiel Verbrennungs- und Elektromotor. Durch die gegenseitige Hilfe können beide Antriebe ihre Stärken ausbauen und gleichzeitig die Schwächen des anderen kompensieren. Hybrid punktet durch einen geringen Verbrauch, niedrige Emissionen und der Möglichkeit eines rein elektrischen Betriebs auf kurzen Strecken. Unter der Karosserie sind im Vergleich zu den ersten Testwägen weitaus kleinere und somit günstigere und leichtere Batterien verborgen.

3. Keine Marktreife für die Brennstoffzelle

Das Brennstoffzellen-Fahrzeug könnte das ultimative Eco-Auto werden. Von Elektromotoren angetrieben kann die Brennstoffzelle die notwendige Elektrizität aus Wasserstoff generieren. Dieser ist extrem umweltfreundlich und wird aus leicht verfügbaren Rohmaterialien gewonnen. Brennstoffzellen-Autos würden sich im Gegensatz zu reinen Elektroautos auch für Langstrecken eignen. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist eine Reichweite von mehreren hundert Kilometern möglich. Wermutstropfen: Die Herstellkosten sind derzeit exorbitant hoch. Nicht nur japanische Autohersteller investieren in die Entwicklung des Brennstoffzellenautos, BMW hat im Frühjahr 2015 ein Modell auf einem Testgelände vorgestellt.

Toyota investiert in Entwicklungen an der Brennstoffzelle (©Toyota)
Toyota investiert in Entwicklungen an der Brennstoffzelle (©Toyota)

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